{"id":8,"date":"2004-04-12T17:50:04","date_gmt":"2004-04-12T15:50:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bomongo.de\/?p=8"},"modified":"2013-12-31T17:10:47","modified_gmt":"2013-12-31T15:10:47","slug":"trotzige-buben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bomongo.de\/?p=8","title":{"rendered":"Trotzige Buben"},"content":{"rendered":"<p>Auf der Seite <a href=\"http:\/\/www.single-dasein.de\/sowi\/singleforschung.htm\">single-dasein.de<\/a> wird eine beachtliche Zahl sogenannter Single-Forscher gef\u00fchrt und die Liste ?weiterer Forscher? ? deren Bem\u00fchungen in irgendeinem Zusammenhang mit der Single-Selbst-Erforschung und Generation-Golf-Identit\u00e4ts-Vergewisserung stehen sollen ? beginnt mit Theodor W. Adorno.<br \/>\nHerr Stephan Wackwitz stellt Adorno ganz nah neben Salinger sowie die eigene verqu\u00e4lte Pubert\u00e4t in den sp\u00e4ten Sechzigern ins Zentrum des Ganzen:<img decoding=\"async\" alt=\"auf den schultern von riesen oder so\" src=\"http:\/\/data.blogg.de\/bomongo\/images\/jungenwaschen.jpg\" align=\"right\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\">&#8222;Es w\u00e4re einfach viel vern\u00fcnftiger gewesen, denke ich heute oft, uns damals ein bisschen zu zeigen und beizubringen, wie man sich in der Welt zurechtfindet, statt unsere Ungeschicklichkeit geschichtsphilosophisch zu nobilitieren und uns damit in ihr einzusperren. Ich jedenfalls h\u00e4tte den ganzen Adorno &#8211; und Kafka obendrein &#8211; liebend gern daf\u00fcr eingetauscht, wenn ich es geschafft h\u00e4tte, beispielsweise jene uschiobermeierhafte Kommilitonin mit den t\u00e4glich wechselnden Garderoben mal zu einem Kaffee einzuladen. Und wenn ich viele junge Leute des Jahres 2001 kennen lerne &#8211; ihre unbefangene Zutraulichkeit, ihr entspannter Umgang mit gesellschaftlichen Anforderungen, ihre Freundinnen und oft sogar schon Ehefrauen -, dann bin ich einfach neidisch. Nicht nur, weil ich \u00e4lter werde und alle \u00c4lteren auf alle Jungen in gewisser Weise neidisch sind. Sondern ich bewundere und neide ihnen ein bisschen eine Jugend ohne unsere Vorbilder. Ohne die linksradikalen H\u00e4uptlinge, die uns damals weismachten, wir m\u00fcssten die Revolution machen und den Vorsitzenden Mao liebhaben. Ohne die gesellschaftlichen Zw\u00e4nge, so grauenhaft angezogen herumzulaufen, wie wir damals herumlaufen zu m\u00fcssen glaubten. Ohne Petra Kelly. Und eben auch ohne diesen ganzen Schmarren und intellektuellen Kitsch \u00e0 la &#8222;Es gibt kein richtiges Leben im falschen&#8220;. Das gibt es eben doch, ein richtiges Leben in der abgrundb\u00f6sen Welt. Und wir h\u00e4tten auch ganz gern eines gehabt. Aber wenn man mit der vollen Autorit\u00e4t des Professors, Naziopfers und Volldurchblickers empf\u00e4nglichen und weltfremden Neunzehnj\u00e4hrigen diesen Quatsch einimpft, dann haben die dann wirklich kein richtiges Leben im falschen, also n\u00e4mlich \u00fcberhaupt kein richtiges Leben.&#8220; <\/span><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/data.blogg.de\/bomongo\/images\/1968imrausch_2.jpg\" align=\"left\" \/> Das ist noch eine relativ pr\u00e4gnante Aussage in einem verquasteten Geschlingere aus Unzufriedenheit mit der eigenen Biographie, die peinlich unmittelbar mit Beweiskraft ausgestattet wird, sowie h\u00f6lzern-akademischer Bildungsbeflissenheit, die zeigt, dass das zur\u00fcckliegende Individualproblem nicht bew\u00e4ltigt, nur rechthaberisch gewendet wurde.<br \/>\n(Wie\u00b4s auch im Roman &#8222;Walkers Gleichung&#8220; von Wackwitz ist, den ich mir aus Versehen gekauft habe, und der zwischen der gleichen, v\u00f6llig unsinnlichen Pseudo-Geschlechtlichkeit und akademischen Monumentalit\u00e4ten schwankt ? stinklangweilig).<\/p>\n<p>Wackwitz geht noch ein wenig weiter (oder nur etwas anders?) als Christian Schneider, der es ebenfalls ? wo auch die Erstver\u00f6ffentlichung der Adorno\/Salinger-Meditation war &#8211; in der <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2003\/08\/30\/a0271.nf\/text\">taz <\/a>tat: Man kommt (nicht) dahinter, ob die jetzt keine J\u00fcnger mehr sein wollen &#8211; oder einfach nochmal j\u00fcnger sein. Ach so.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Seite single-dasein.de wird eine beachtliche Zahl sogenannter Single-Forscher gef\u00fchrt und die Liste ?weiterer Forscher? ? deren Bem\u00fchungen in irgendeinem Zusammenhang mit der Single-Selbst-Erforschung und Generation-Golf-Identit\u00e4ts-Vergewisserung stehen sollen ? beginnt mit Theodor W. Adorno. 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